Jan 122014
 

Wer über eine Investition in eine bestimmte Aktie nachdenkt, möchte natürlich wissen, ob es sich um eine lohnenswerte Investition handelt. Um dies zu beurteilen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine dieser Möglichkeit besteht darin herauszufinden, ob der tatsächliche Wert der Aktie höher ist als deren Kurs. Oder anders ausgedrückt: Ist die Aktie günstig zu haben? Eine hierfür wichtige Kennzahl Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis?
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis geht davon aus, dass sich der tatsächliche bzw. faire Wert eines Unternehmen am letzten Gewinn orientiert. Es ist somit eine Möglichkeit um eine Aktie zu beurteilen, und herauszufinden, ob der Kurs einer Aktie derzeit eher hoch, angemessen oder niedrig ist. Das KGV ist eine Kennzahl, die angibt, wie viele Jahre es dauert, bis der aktuelle Kurs durch den aktuellen Gewinn erwirtschaftet wurde. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Jahresgewinne über den gesamten Zeitraum gleich bleiben (Was natürlich tatsächlich wohl nie der Fall sein wird).  Die Berechnung des KGV ist sehr einfach:  Der aktuelle Kurs wird durch den letzten Gewinn geteilt.

Je geringer das KGV ist desto besser. Hat ein Unternehmen zwischen 14 und 17 ist dies ein Indiz dafür, dass das Unternehmen fair bewertet ist. Liegt das KGV darunter kann die Aktie des Unternehmen als billig angesehen werden. Liegt sie darüber ist sie wahrscheinlich teuer. 

Ein Beispiel:
Procter&Gamble hatte in 2013 einen Gewinn je Aktie von 4,04 USD. Zum Zeitpunkt als ich diesen Artikel geschrieben habe lag der Kurs bei 80,30 USD. Teilt man nun den Kurs durch den Gewinn je Aktie erhält man ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,88. Wir sehen also, dass die Aktie von Procter&Gamble zwar etwas teuer ist, aber auch nicht hoffnungslos überteuert.

Vorteile:
Um das Kurs-Gewinn-Verhältnis zu ermitteln, benötigt man nur wenige Sekunden. So kann man sich in kurzer Zeit einen Eindruck von dem in Betracht gezogenen Unternehmen verschaffen. Dabei benötigt man keine Fachkenntnisse.
Die Bewertung des Unternehmens anhand des Gewinns ist eine von Behörden und Unternehmensbewertern übliche Methode um den tatsächlichen Wert eines Unternehmens zu ermitteln (Ertragswertverfahren). Wobei natürlich gesagt werden muss, dass diese Berechnungen wesentlich komplexer sind und auch andere Komponenten darüber hinaus berücksichtigt werden.

Nachteile:
Maßgeblich für das KGV ist der Gewinn laut Jahresabschluss. Dieser Gewinn kann von dem Unternehmen bzw. dessen Steuerberatungsgesellschaft beeinflusst werden. Bei der Erstellung des Jahresabschlusses können oft zahlreiche Wahlrechte (Aktivierungswahlrechte, verschiedene Abschreibungsmöglichkeiten…) ausgeübt werden, die dann wiederum den Gewinn und daher auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis beeinflussen. Die Ausübung dieser Wahlrechte wird von steuerlichen Überlegungen, sowie von dem Ziel bei Banken, Gläubigern und Miteigentümern gut dazustehen, bestimmt. Es kommt immer darauf an, welche Politik das Unternehmen gerade verfolgt.
Desweiteren wird bei einem KGV nicht berücksichtigt, dass eventuell einmalige Ereignisse (Firmenverkäufe, Sonderabschreibungen…) Auswirkungen auf den letzten Gewinn gehabt haben können, die in den Folgejahren nicht mehr so stattfinden. Der letzte Gewinn hat in diesem Fall keine oder nur eine eingeschränkte Aussagekraft für die Zukunft.

Durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis
Manchmal wird auch empfohlen, bei der Berechnung des KGV nicht den letzten Gewinn zu Grunde zu legen, sondern den Durchschnittsgewinn der letzten zehn Jahre. Dadurch sollen Schwankungen und einmalige Ereignisse ausgeglichen werden.

Ich halte das für Blödsinn!

Bei einen Durchschnitts-KGV wird ein Unternehmen „belohnt“, wenn die Gewinne jährlich fallen und „bestraft“, wenn die Gewinne jährlich steigen.

Ein Beispiel:

Stell dir zwei Unternehmen vor, die aktuell die gleichen Daten vorweisen können. Sagen wir, beide Unternehmen haben einen Aktienkurs von 100 € und einem letzten Gewinn von 5 € je Aktie. 100 € geteilt durch 5 € ergibt ein KGV von 20.
Die vorangegangenen Gewinne unterscheiden sich jedoch beträchtlich:

Unternehmen A:

Jahr: 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Gewinn: 2,0 2,3 2,5 2,8 3,0 3,5 3,8 4,0 4,5 5,0

 

Unternehmen B:

Jahr: 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Gewinn: 8,0 7,7 7,5 7,3 7,0 6,5 6,2 6,0 5,5 5,0

                                           

Unternehmen A schafft es jährlich seine Gewinne zu steigern, während die von Unternehmen B jährlich stagnieren. Müsste ich mich für eine Investition in eines der Unternehmen entscheiden würde meine Wahl auf das Unternehmen A fallen, da es wahrscheinlich ist, dass die Gewinne von A auch in Zukunft steigen werden, während die von B wohl auch in den Folgejahren stagnieren werden.

Aber wie sieht es mit dem durchschnittlichen KGV aus?

Unternehmen A:

Durchschnittlicher Gewinn: 3,34
Durchschnittliches KGV     : 29,94

Unternehmen B:

Durchschnittlicher Gewinn: 6,67
Durchschnittliches KGV     : 14,99

Das Unternehmen B hat ein wesentlich niedrigeres KGV als Unternehmen A. Somit wäre B eigentlich günstiger bewertet und damit eine Investition hierin empfehlenswerter. Das dies aufgrund der Zukunftsaussichten nicht der Fall ist zeigt, dass es absolut sinnfrei ist, sich die Mühe zu machen ein durchschnittliches KGV zu ermitteln.

Fazit:
Das KGV ist eine gute Möglichkeit sich einen ersten Eindruck über eine Aktie zu machen. Es eignet sich auch um günstige Aktien bei einer Aktiensuche zu finden. Es ist aber immer unbedingt notwendig weitere Kennzahlen und Daten heranzuziehen um zu beurteilen, ob sich das Investment in eine bestimmtes Unternehmen lohnt.

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