Aug 192013
 

Viele Anleger halten sich strikt an Dividendenstrategien. Dabei gehen Investoren nach einem festgelegten Muster vor, an das sie sich halten unabhängig davon, wie sich die einzelnen Aktien darin entwickeln. Dabei spielt in der Regel die Dividendenrendite eine große Rolle.

Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass man seine Entscheidungen absolut emotionslos trifft. Man kauft oder verkauft wenn es die Strategie vorgibt. Wenn man es schafft die jeweilige Strategie konsequent durchzuziehen, schaltet man die zwei größten Gegner des Anlegers aus: Gier und Angst.

Die Dogs-of-the-Dow-Strategie

Die wohl bekannteste Dividendenstrategie ist wohl die Dogs-of-the-Dow-Strategie. Sie geht auf Benjamin Graham zurück, der in den 1930ern durch seine Arbeiten über die Wertpapieranalyse die Basis für diese Strategie schuf. Benjamin Graham war Lehrmeister von Starinvestor Warren Buffet. Von John Slatter wurden diese Analysen zur Dogs-of-the-Dow-Strategie weiterentwickelt, der sie dann Anfang der 1990ern in seinem Buch veröffentlichte.

Die Vorgehensweise

Die Dogs-of-the-Dow-Strategie ist dermaßen einfach, dass sie von (fast) jedem umgesetzt werden kann. Besondere Kenntnisse sind nicht erforderlich.

So geht´s:

  1. Man wählt einen Index wie den DAX, EuroStoxx, Dow Jones…
  2. Dann werden aus diesem Index die zehn Aktien mit der höchsten Dividendenrendite herausgesucht und zu gleichen Teilen gekauft.
  3. Diese zehn Aktien werden ein Jahr lang konsequent im Depot gehalten.
  4. Nach diesem Jahr wird das Depot überprüft und aktualisiert: Die Aktien, die inzwischen nicht mehr zu den zehn Aktien, mit der höchsten Dividendendenrendite gehören, werden verkauft. Die Aktien, die neu in dieser “Top-Ten” sind werden hinzugekauft.
  5. Punkt 4 wird immer nach einem Jahr wiederholt.

Eine gute Übersicht der Dividendenrenditen findest du auf MyDividends.de für den DAX, DowJones oder EuroStoxx. An diesen Übersichten gefällt mir besonders, dass sich die Dividendenrenditen auf die geschätzten Dividendenzahlungen für das aktuelle Wirtschaftsjahr beziehen. Auch wenn diese nicht immer hundertprozentig stimmen, kann man sich in der Regel auf die Tendenz der Dividendenzahlungen verlassen, da sich diese auf die aktuelle Entwicklung und Ankündigen des jeweiligen Unternehmens gründet. Es hilft dir nämlich herzlich wenig, wenn das Unternehmen in der Vergangenheit eine Dividendenrendite von 6% ausgeschüttet hat, aber zum nächsten Termin aufgrund eines Gewinneinbruchs die Dividende streicht. Daher ist es sinnvoll sich bei dieser Strategie an der geschätzten, nächsten Dividende zu orientieren.

Warum funktioniert diese Strategie?

Ich habe schon gelesen, dass es keine Begründung gäbe, warum die Dogs-of-the-Dow-Strategie funktioniert. Das ist nicht wahr. Warum dieses Strategie in der Vergangenheit bessere Ergebnisse liefert als der zugrunde liegende hat gute Gründe:

Auswahl der Top-Ten

Die Dogs-of-the-Dow-Strategie unterstellt, dass Aktien mit hoher Dividendenrendite unterbewertet sind. Den offensichtlich scheint es ja dem Unternehmen gut zu gehen, sonst könnte das Unternehmen ja keine so hohe Dividende zahlen. Dies scheint sich jedoch noch nicht positiv auf den Kurs ausgewirkt zu haben. Die Dividendenrendite wäre ansonsten niedriger, da sich ja der Kurs der Aktie nach oben angepasst hätte.

Haltedauer

Während der einjährigen Haltedauer profitiert der Anleger von  der überdurchschnittlich hohen Dividendenrendite der Top-Ten-Aktien.

Umschichtung des Depots

Nach einem Jahr wird das Depot aktualisiert. Dabei werden die Aktien verkauft, die nicht mehr zu den Top-Ten gehören. Mit einer großen Wahrscheinlichkeit ist deren Dividendenrendite deswegen gefallen, weil deren Kurs gestiegen ist. Somit können diesen Aktien mit Gewinn verkauft werden, und eine neue unterbewertete Aktie dafür gekauft werden.
Es kann auch sein, dass die Dividendenrendite eines Unternehmen, das bisher nicht zu den Top-Ten gehört hat gestiegen ist, weil entweder der Kurs gefallen ist, oder die Dividendenausschüttung erhöht wurden und nun zu den Top-Ten gehört und somit ein lohnenswertes Investment darstellen kannn, als die Aktie die nun ersetzt wird.

Welche Risiken bestehen bei den Dogs of the Dow?

Leider treten die positiven Effekte nicht bei jeder Top-Ten-Aktie ein. Die Chancen darauf sind zwar gut, jedoch wird man auch hin und wieder bei einzelnen Aktien Verluste erleben.

Hierzu ein Beispiel:

Angenommen, eine Unternehmen mit durchschnittlicher Dividende gibt eine Gewinnwarnung heraus. Es läuft irgendwie nicht mehr rund. Dies wirkt sich negativ auf den Kurs aus. Der Kurs fällt. Dadurch steigt natürlich die Dividendenrendite wodurch die Aktie ein “Dog of the Dow” darstellt. Wer jetzt seine Umschichtung macht holt sich diese Aktie ins Depot.

Einige Wochen später gibt das Unternehmen bekannt, dass aufgrund der schlechten Gewinnentwicklung die Dividende gestrichen werden muss. Der Kurs fällt darauf noch weiter.
Nach einem Jahr muss diese Aktie dann wohl mangels Dividende bei der Umschichtung mit einem Verlust verkauft werden.
Dies wird hin und wieder auch passieren.
Es kann auch sein, dass ein Unternehmen eine – am Gewinn gemessen – viel zu hohe Dividende ausschüttet oder diese sogar durch Darlehen finanziert wird. Es handelt sich somit gar nicht um ein unterbewertetes Unternehmen. Eventuell könnte in der Zukunft hier auch eine Reduzierung oder Streichung der Dividende erfolgen.

Fazit:

Alles hat natürlich seine Schattenseiten. Man wird sich immer ein paar schlechte Aktien durch die Dogs-of-the-Dow-Strategie ins Depot holen. Damit muss man leben
Wenn man bereit ist dieses Risiko einzugehen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, mit dieser Strategie überdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen.
Meiner Meinung nach überwiegen die Vorteile, da es sich bei den unter Risiken beschriebenen “Pleite-Aktien” in der Regel um Einzelfälle handelt.
Man profitiert von der überdurchschnittlichen Dividende. Die Wahrscheinlichkeit sich zahlreiche unterbewertete Aktien ins Depot zu holen
und diese irgendwann mit Gewinn verkaufen zu können ist meines Erachtens größer als das Risiko.

 

  One Response to “Dividendenstrategie: Dogs of the Dow”

  1. […] Gegensatz hierzu steht die Dogs-of-the-Dow- und die Low-Five-Strategie. Im Unterschied zu den Sell-in-May/Summer-Strategien gibt es hierfür […]

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